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„Nimm Dir das Leben…und lass es nicht mehr los..“

Uta 0

…alles was Du hast, ist dieses eine bloß…“, so beschreibt Udo Lindenberg im Refrain seines Liedes Das Leben. Klar, Wikipedia hat noch eine andere Definition, die mich als Nicht-Biologin wenig fasziniert hat. An dieser Stelle an alle lieben Biologen dieser Welt gerichtet, ich habe es dann doch gerne weniger pragmatisch. Aber wie ist das nun mit einer Erklärung, wie das Leben wirklich ist? Uns wird das Leben geschenkt, denn so stand es ja in den meisten Geburtsanzeigen als Textzeile. Sind wir uns diesem Präsent tatsächlich immer so bewusst, wie es sein sollte?

Mein Leben hatte für mich eine ganz andere Antwort vorgesehen. Den Anspruch, ein gradliniges, beschwingtes und einfaches geschenkt zu bekommen, wäre sicher vermessen, dachte ich mir. War ich doch im Großen und Ganzen auch zufrieden. Ich befand mich doch in guter Gesellschaft. Meine lieben Mitmenschen um mich herum hatten auch ihre Probleme, scheinbar auch etwas mehr Glück manchmal…aber ist man nicht doch immer selbst der Verantwortliche seines Drehbuches? Meine eigene Erwartungshaltung hatte sich auf den Pegel der Pseudozufriedenheit eingestellt. Es war nicht immer so, wie ich es mir erträumt hatte. Dann gibt es auch Einflüsse, die uns nachdenklich stimmen. Wenn das Leben durch Krankheiten ins Wanken kommt, Krisenzeiten hereinbrechen, versuchen wir wie ein Buchhalter „Soll an Haben“ in der Bilanz zu bewerten. Wir funktionieren, übernehmen Verantwortung und Verpflichtungen, erfüllen die Leistungsvorgaben, sind rastlos auf der Suche nach Erfolg oder dem Glück. Wir lernen uns zu arrangieren. Der Beruf bestimmte den Hauptteil der Ressource. Die Wochentage folgten dieser Herausforderung. Das Privatleben konzentrierte sich auf die Söhne, mit denen ich alleine lebte. In der Wahrnehmung waren die Wochenenden und der Urlaub dann immer irgendwie zu kurz, die Jahre und mit ihnen die Geburtstage flogen nur so dahin. Alles, was nicht mehr in die Gegenwart passte, wurde großzügig auf später verschoben. In der Zukunft hatte man dann ja Zeit, die man sich verdient hat. Die Erwartung auf das selbst bestimmte und gute Leben, was dann folgen würde. Kurzsichtig. Denn das Schicksal schreibt eigene Drehbücher und führt unerwartet Regie in Deinem Leben. Und dann kommen wir ins Nachdenken. Bei mir war es die Wirbelsäule, die dann den Spaß am aufrechten Gang verlor und mich buchstäblich in die Knie zwang. Meine Hände waren auf einmal nicht mehr zu gebrauchen und versagten den Dienst. Die Anlässe zu Zwangspausen sind vielfältig und wir alle kennen sie. Treffen wir sie doch in den Wartezimmern unserer Ärzte. In meinem Fall folgte eine längere Auszeit mit dem üblichen medizinischen Programm und Rehabilitationsmaßnahmen. Und auf einmal hatte ich zu viel von dem, was ich doch in meinem Alltag oft so schmerzlich vermisst habe – viel Zeit zum Nachdenken. Aber immer war ich wechselweise davon überzeugt, dass ich alles im Griff hätte oder mir so etwas eigentlich ja nie passieren könnte. Hatte ich doch in meinem Berufsfeld immer die besten Tipps zum Gesundheitsmanagement im betrieblichen Intranet als Autorin verfasst und veröffentlicht. So viel zur Berufsblindheit.

Für meinen Fall hat es lange gedauert, bis ich die neue Rolle in dem Drehbuch verstanden habe. In meiner Lebensmitte war es längst überfällig, mal über mich und meine Träume vom Leben nachzudenken. Sich selbst mit seinen Bedürfnissen wichtig zu nehmen. Wer sollte es sonst tun, wenn Du nicht selbst den Anfang machst? Mein Blick auf das Leben hat eine ganz andere Perspektive eingenommen. Ich war es mir schuldig, meine Träume und Wünsche nicht aufzugeben, sondern Taten folgen zu lassen. Sicher bedeutete das auch, die sogenannte Komfortzone zu verlassen. Das verlangt nach Mut. Ich richte jetzt mein Leben immer mehr nach meinen Prioritäten aus. Viel Ballast habe ich abgeworfen. Weniger wurde plötzlich zu mehr Lebensqualität. Zufriedenheit und Selbstliebe ließen auch mehr Liebe in mein Leben hinein. Also nicht mehr „nur“ zufrieden, sondern jetzt eine glückliche Frau zu sein, geben meinem Leben neue Farben. Und so steht das Bild von einem sonnigen Tag in einem Kurpark dafür, dass es nie zu spät ist, neue Wege zu versuchen und zu gehen. Ich ergänzte meine berufliche Qualifikation als Personalmanager um eine Coaching-Ausbildung. Hier lag schon immer eine meiner besten Kompetenzen. Anderen Menschen zu helfen, ihrer Begeisterung Beine zu machen. Meine neue Herausforderung soll zukünftig sein, mehr Strategien für Menschen und nicht, Menschen für Strategien zu unterstützen. Ich hoffe, es gelingt mir.